Michael Maar:
Die Betrogenen. Roman.
C.H. Beck Verlag 2012, 142 Seiten, ISBN 978 3 406 63953 1
Bekannt wurde der 1960 geborene Germanist und Kritiker Michael Maar vor allem durch essayistische Arbeiten wie „Geister und Kunst“ über Thomas Manns „Zauberberg“ oder seine Texte zu Proust und Nabokov. „Die Betrogenen“ ist sein literarisches Debüt. Es spielt im westdeutschen Literaturbetrieb der frühen neunziger Jahre, in der Zeit nach der Wiedervereinigung und vor Einführung des Euro. Im Zentrum steht der alternde, charismatische und bei Frauen noch immer erfolgreiche Schriftsteller Arthur Bittner, der seinem jüngeren Bewunderer und designierten Biografen Karl Lorentz gern von der „Großen Liste“ erzählt: der Vorstellung, dass sich im Moment des Sterbens sämtliche Geheimnisse der Welt offenbaren.
Als Bittner beiläufig eine erwachsene Tochter aus einer früheren Beziehung erwähnt, ist Karl irritiert, davon nichts gewusst zu haben. Er macht sich auf die Suche nach ihr und findet sie in einer Berliner Galerie, die sie gemeinsam mit einer Freundin betreibt. Karl verliebt sich, verbringt eine Nacht mit ihr und meldet sich danach vergeblich bei ihr zurück. Aus dieser Konstellation entwickelt sich ein Spiel aus Verwechslungen und Täuschungen: Karl ist, ohne es zu ahnen, selbst Opfer eines Irrtums, der Folgen hat. Fast jede Figur des Romans führt ein verstecktes Doppelleben; Freunde und Kollegen verraten, beneiden und bewundern einander wechselseitig. Und bedienen damit nebenbei die Klischees, die Außenstehende über den Literaturbetrieb haben. Aber was, wenn es gar keine Klischees wären? Hm. Im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass es um Bittners Gesundheit schlechter bestellt ist, als es zunächst scheint, sodass der sonst so selbstsichere Schriftsteller zunehmend ins Grübeln und in Schwermut gerät.
Die Kritiken zu Maars literarischem Debüt fielen geteilt aus und auch ich bin nicht glücklich geworden mit dem Text. Obwohl die einzelnen Elemente, die Maar benutzt, um seine Struktur der Täuschungen gleichzeitig stabil und doch tückisch zu gestalten, perfekt und stimmig montiert sind, haben sie bei mir nur ein geringes Interesse geweckt. Ist mir Wesentliches entgangen? Mag sein. Mögen andere mehr Freude mit dem Roman haben.
15. September 2026