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Leonardo Sciascia wurde 1921 in Racalmuto auf Sizilien geboren und verließ die Insel nur selten. Sein Verständnis für die Menschen und die historischen Einflüsse, die sie über die Jahrhunderte prägten, speist sich aus dieser Verbundenheit. Fremde Eroberer und Naturgewalten – insbesondere die wiederkehrenden Ausbrüche des Ätna – formten das Land und die Menschen. Sciascias Werk zeugt von einem ambivalenten Verhältnis zu seiner Heimat: Er kontrastiert die Schönheit der Landschaft mit der Armut der Bevölkerung, die er als Kind selbst erlebte, da sein Vater in den Schwefelminen arbeitete. Die Texte aus den 1970er- und 1980er-Jahren umfassen Reportagen, Porträts und Reflexionen über Orte, Geschichte und die Mafia. Sciascia beschreibt die sizilianische Natur und Architektur – etwa die Küsten, die Dörfer am Ätna oder die Unwirklichkeit Palermos – ohne verklärende Romantik, sondern ergänzt sie mit den sozialen Missständen und politischen Problemen, denen die Bewohner der Insel ausgesetzt waren und sind. Besonders deutlich wird diese Spannung in Essays wie „Literatur und Mafia“ oder in seinen Analysen zu Giuseppe Tomasi di Lampedusas „Der Leopard“. Sizilien erscheint bei Sciascia nie als Idyll, sondern als ein Ort archaischer Sinnlichkeit und politischer Ausweglosigkeit. Ob er über Racalmuto, Palermo oder Catania schreibt: Stets zeigt er die Widersprüche zwischen kultureller Fülle und gesellschaftlicher Realität auf. Die Texte führen durch Schauplätze, die auch Tomasi di Lampedusa literarisch verewigt hat, oder durch „Mussolinia“, eine von Mussolini geplante, aber gescheiterte Stadt nahe Caltagirone. Nach seiner Tätigkeit als Volksschullehrer widmete sich Sciascia ab 1957 ausschließlich dem Schreiben. Sein Werk umfasst Kriminalromane, Erzählungen, Essays und Gedichte. Er starb 1989 in Palermo. Das Buch ist in der schönen Reihe SALTO bei Wagenbach erschienen. Roter Leineneinband, fadengeheftet, so sollen Bücher sein. Einzig die Qualität der zahlreichen Fotoreproduktionen ist beklagenswert. Das wäre verbesserungswürdig. → Leonardo Sciascia: Das Hexengericht 26. September 2025 |
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