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Rainer Schmitz' Buch „Was geschah mit Schillers Schädel“ ist ein ungewöhnliches und informatives Literaturlexikon, das auf über 900 Seiten mehr als 1.200 alphabetisch geordnete Stichwörter versammelt. Es bietet eine Fülle von Anekdoten, Gerüchten, Kuriositäten und Fakten aus der Literaturgeschichte – von der Antike bis in die Gegenwart. Der Titel spielt auf die mysteriöse Geschichte um Friedrich Schillers Schädel an, der nach dessen Tod 1805 angeblich als Briefbeschwerer bei Goethe landete und dessen Echtheit bis heute umstritten ist. Schmitz präsentiert Klatsch und Tratsch, skurrile, menschliche und oft skandalöse Geschichten hinter den großen Namen der Literatur. Die Einträge reichen von „A“ („Wenn Schwächlinge anfangen, über den ersten Buchstaben des Alphabets nachzudenken, können sie ganz schnell dem Wahnsinn verfallen.“ Aus einem Brief Arthur Rimbauds.) über die ungelöste Frage nach dem Verbleib von Schillers Schädel bis hin zu Themen wie „Plagiate“, „Titel“, „Todesarten“ und „Zylinder“. Besonders ausführlich behandelt werden Lieblingsautoren des Verfassers wie Goethe, Schiller, Kafka oder Shakespeare. Das Lexikon verbindet Kurioses (etwa die Schreibrituale berühmter Autoren) mit seriösen Fakten (Auflagenhöhen, Nobelpreisträger, Zensur). Schmitz deckt Plagiate, Vetternwirtschaft und Druckfehler auf und erzählt von verschollenen Manuskripten, Ghostwritern und ungewöhnlichen Todesumständen. Das Buch lädt zum Stöbern ein*, es ist unterhaltsam und doch... Gelegentlich stutzt man. Kann der Eintrag zu „Sandkuchen“ noch als Scherz verstanden werden („Eine Backkreation von George Sand und nach ihr benannt. Wirklich.“), ist das Folgende so falsch, dass man sich wundert, wie es vom Autor oder dem Lektorat (falls es eins gegeben haben sollte, es darf gezweifelt werden) übersehen werden konnte: „Ein Jahr vor seinem Tod veröffentlichte Wittgenstein den Tractatus logico-suicidalis. Darin wird der Selbstmord als Gesetz festgeschrieben. 1046 Aphorismen befassen sich mit der Aufgabe: »Gegeben ist der Tod, bitte finden Sie die Lebensursache heraus.« Bei seinem Selbstmord waren die Leser daher nicht mehr überrascht.“ Spalte 1324 Denn natürlich ist Hermann Burger der Autor des Tractatus logico-suicidalis und beging Suizid, Ludwig Wittgenstein schrieb den Tractatus logico-philosophicus. Es empfiehlt sich daher, den Informationen, die das Buch in Hülle und Fülle zu liefern scheint, mit einem gewissen Misstrauen zu begegnen. Gelegentlich drängt sich auch der Eindruck auf, dass die immer wiederkehrenden Bezüge zu literarischen Fälschungen und Plagiaten eine Leerstelle haben, die das vorliegende Buch leicht füllen könnte. * Dabei ist das sehr umfangreiche Personenregister mehr als nur hilfreich. 15. September 2025 |
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