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Douglas Rushkoff Survival of the Richest Douglas Rushkoff:
Survival of the Richest. Warum wir vor den Tech-Mil­liar­dä­ren noch nicht einmal auf dem Mars sicher sind.
Aus dem Englischen von Ste­phan Ge­bau­er.
edition suhrkamp 2025, 282 Sei­ten, ISBN 978-3-518-02999-2

In „Survival of the Ri­chest“ un­ter­sucht der Me­dien- und Tech­no­lo­gie­kri­ti­ker Dou­glas Rush­koff die apo­ka­lyp­ti­schen Zu­kunfts­vi­sio­nen und Flucht­plä­ne der Su­per­rei­chen, ins­be­son­de­re von Tech-Mil­liar­dä­ren. Ba­sie­rend auf ei­ge­nen Er­fah­run­gen be­schreibt er, wie die­se Eli­ten nicht da­ran in­te­res­siert sind, glo­ba­le Pro­ble­me wie den Kli­ma­wan­del oder so­zia­le Un­gleich­heit zu lö­sen, son­dern statt­des­sen nach We­gen su­chen, sich selbst und ihr Ver­mö­gen vor den Fol­gen die­ser Kri­sen zu schüt­zen. Statt die Ur­sa­chen zu be­kämp­fen, pla­nen sie die Flucht in Bun­ker, in di­gi­ta­le Pa­ral­lel­wel­ten, auf Pri­vat­in­seln oder den Mars.

Rushkoff kritisiert scharf die Denk­wei­se die­ser Eli­te, die sich zu­neh­mend von der Rea­li­tät der meis­ten Men­schen ab­kop­pelt. Beson­ders die „Trans­hu­ma­nis­mus“-Be­we­gung und der Glau­be an künst­li­che In­tel­li­genz als Heils­brin­ger ste­hen im Fo­kus sei­ner Ana­ly­se. Er zeigt, wie Tech-Mil­liar­dä­re wie Elon Musk oder Pe­ter Thiel mit Pro­jek­ten wie Welt­raum­ko­lo­nien oder Lang­le­big­keits­for­schung ihre ei­ge­nen Über­le­bens­stra­te­gien ver­fol­gen, wäh­rend sie die Sys­te­me, die die­se Kri­sen erst ver­ur­sa­chen, wei­ter auf­recht­er­hal­ten. Mit­hin stellt sich die Fra­ge: Wer pro­fi­tiert vom tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt, und wel­che Kon­se­quen­zen hat das für den Rest der Ge­sell­schaft?

Ein zentrales The­ma des Bu­ches ist das Kon­zept des ‚Mind­set‘ – die Vor­stel­lung, dass eine klei­ne, mäch­ti­ge Eli­te sich durch Iso­la­tion von den von ihr selbst mit­ver­ur­sach­ten Schä­den ret­ten kann, wäh­rend die Mehr­heit der Mensch­heit in ei­ner dys­to­pi­schen Zu­kunft mit den Fol­gen des Kli­ma­wan­dels und so­zia­ler Un­ru­hen zu­rück­ge­las­sen wird [1].

Das Buch ist eine Ana­ly­se des tech­no-eli­tä­ren Es­ka­pis­mus und zeigt die Schat­ten­sei­ten des tech­no­lo­gi­schen Fort­schritts auf. Rush­koff se­ziert die Über­le­bens­fan­ta­sien der Su­per­rei­chen, die glau­ben, ih­ren Reich­tum und ihre Macht auch ohne ge­sell­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit si­chern zu kön­nen [2]. Statt in ge­mein­sa­me Lö­sun­gen zu in­ves­tie­ren, set­zen sie auf tech­no­lo­gi­sche Wun­der­mit­tel wie KI, Ro­bo­tik oder Gen­tech­nik. Rush­koff weist auf die alar­mie­ren­de Em­pa­thie­lo­sig­keit der Su­per­rei­chen hin, die sich immer mehr von den Kon­se­quen­zen ih­res Han­delns ab­schot­ten [3].

Stattdessen plä­diert er für rea­lis­ti­sche, ge­mein­schaft­li­che Al­ter­na­ti­ven wie De­growth, Ge­nos­sen­schaf­ten oder pro­gres­si­ve Be­steu­e­rung. Er for­dert dazu auf, sich nicht von den Ver­spre­chun­gen der Tech-In­dus­trie blen­den zu las­sen, son­dern ak­tiv an ei­ner ge­rech­te­ren Zu­kunft mit­zu­wir­ken.


1. „Als Ver­fech­ter des Mind­set leh­nen sie das Ge­mein­we­sen seit je ab und ha­ben die an­ma­ßen­de Vor­stel­lung ent­wi­ckelt, mit ge­nug Geld und Tech­no­lo­gie könn­ten sie die Welt nach ih­ren per­sön­li­chen Be­dürf­nis­sen um­ge­stal­ten.“ S. 35

2. „Jeder Name führt uns zu ei­ner Kul­tur von Möch­te­gern-Phi­lo­so­phen­kö­ni­gen, die An­spruch auf eine Vor­macht­stel­lung er­he­ben und in den her­kömm­li­chen Vor­stel­lun­gen von Mo­ra­li­tät und Ge­rech­tig­keit nur Hin­der­nis­se für die Auf­recht­er­hal­tung ih­rer Herr­schaft se­hen.“ S. 195

3. „Unternehmen ver­ste­hen sich als Ko­lo­ni­sa­to­ren und be­trach­ten die Be­völ­ke­rung der Län­der, auf de­ren Märk­te sie vor­drin­gen, als in­di­ge­ne Ein­hei­mi­sche, die aus­ge­beu­tet wer­den müs­sen.“ S. 103


4. September 2025

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