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Malcolm Lowry Dunkel wie die Gruft, in der mein Freund begraben liegt Malcolm Lowry:
Dunkel wie die Gruft, in der mein Freund be­gra­ben liegt.
Deutsch von Werner Schmitz.
Rowohlt Taschenbuch Verlag 1985, 317 Sei­ten, ISBN 3 499 25178 7

Der Roman be­glei­tet Sig­björn Wil­der­ness (Low­rys Al­ter Ego) und sei­ne Frau Prim­rose bei ih­rer Rück­kehr nach Me­xi­ko, wo er Jah­re zu­vor eine per­sön­li­che und krea­ti­ve Kri­se durch­lebt hat­te. Sie su­chen nach Fer­nan­do, ei­nem Freund und Trink­ge­fähr­ten Sig­björns, und un­ter dem Vor­wand, Prim­rose die­se be­ein­dru­cken­den Land­schaf­ten zu zei­gen, hofft Sig­björn auch auf eine Rei­ni­gung und Hei­lung sei­ner ge­quäl­ten See­le. Die Rei­se wird zu ei­ner Odys­see, wäh­rend Sig­björn da­rum ringt, ei­nen Ro­man zu be­en­den, sich den Geis­tern ver­gan­ge­ner Miss­er­fol­ge zu stel­len und über die Be­deu­tung von Kunst und Iden­ti­tät nach­zu­den­ken.

Lowrys Prosa ist ba­rock und aus­schwei­fend, die Sät­ze ent­fal­ten sich in Spi­ra­len und spie­geln die in­sta­bi­le Psy­che des Pro­ta­go­nis­ten wider.

Zahlreiche Ele­men­te aus Low­rys Bio­gra­fie so­wie Mo­ti­ve, Na­men und Ört­lich­kei­ten aus „Un­ter dem Vul­kan“ (der hier „Tal der To­des­schat­ten“ heißt) bil­den die Struk­tur des Ro­mans, der gleich­zei­tig auch ei­ni­ges über die Ent­ste­hung des „Vul­kans“ of­fen­bart so­wie über den Geist ei­nes Schrift­stel­lers, der mit sei­ner Kunst, dem Al­ko­hol und dem Schat­ten des Schei­terns ringt. Doch wo „Un­ter dem Vul­kan“ in sei­ner Tra­gik ge­schlos­sen wirkt, ist „Dun­kel wie die Gruft“ frag­men­ta­risch und oft hal­lu­zi­na­to­risch.

Malcolm Lowrys post­hum ver­öf­fentl­ich­ter Ro­man ba­siert auf Ta­ge­bü­chern ei­ner Rei­se, die Low­ry und sei­ne Frau Mar­ge­rie 1945 nach Me­xi­ko und an Orte führ­te, an de­nen Low­ry mit sei­ner ers­ten Frau ge­lebt hat­te und wo er die ers­ten Fas­sun­gen von „Un­ter dem Vul­kan“ ge­schrie­ben hat­te.


11. Juli 2025

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