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Eduard Gugenberger Boten der Apokalypse Eduard Gugenberger:
Boten der Apo­ka­lyp­se. Vi­sio­nä­re und Voll­stre­cker des Drit­ten Reichs.
Verlag Carl Ueberreuter 2002, 207 Sei­ten, ISBN 3-8000-3840-4

Gugenberger stellt neun zen­tra­le Ak­teu­re der NS-Ideo­lo­gie und ih­rer eso­te­ri­schen Vor­läu­fer vor – da­run­ter den ok­kul­ten Vi­sio­när Hanns Hör­bi­ger (Welt­eis­leh­re), den „deut­schen Chris­ten“ Ja­kob Wil­helm Hau­er, den pseu­do­wis­sen­schaft­li­chen Schar­la­tan Her­mann Wirth (For­schungs­ge­mein­schaft Deut­sches Ah­nen­er­be) so­wie den „In­fla­tions­hei­li­gen“ Louis Haeus­ser und die füh­ren­den NS-Grö­ßen Ro­sen­berg, Hess, Himm­ler und Hit­ler. Gu­gen­ber­ger zeigt, wie eso­te­ri­sche My­then und Vor­stel­lun­gen zur ideo­lo­gi­schen Grund­la­ge und Macht­ba­sis des NS-Re­gi­mes bei­tru­gen:

„Mehr als an­de­re po­li­ti­sche Be­we­gun­gen hat der Na­tio­nal­so­zia­lis­mus my­thi­sche Ele­men­te, eso­te­ri­sche Ver­satz­stü­cke und ok­kul­te Be­zü­ge in sein Welt­bild auf­ge­nom­men und für sei­nen po­li­ti­schen Kampf be­nutzt.“ S. 182

Jedes Kapitel ist als kom­pri­mier­te Bio­gra­fie an­ge­legt. Es zeich­net die Le­bens­sta­tio­nen, welt­an­schau­li­chen Prä­gun­gen und die je­wei­li­ge Rol­le im na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schafts­ap­pa­rat nach.

Nach dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs und dem Zu­sam­men­bruch des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Wahn­sys­tems ent­stan­den neue My­then um den Ver­bleib Hit­lers, der wahl­wei­se mit ei­nem U-Boot nach Süd­a­me­ri­ka ent­kom­men ist, in der Ant­ark­tis ein neu­es Reich auf­ge­baut hat oder un­ter­ir­disch – wie einst Kai­ser Bar­ba­ros­sa – auf den Mo­ment sei­ner Rück­kehr war­tet. Der Vril-My­thos wird eben­so ge­pflegt wie die Vor­stel­lung ei­ner ma­gi­schen Ver­bin­dung der „ari­schen Ras­se“ zu ei­ner ti­be­ti­schen Ge­heim­re­li­gion. So skur­ril sich das (noch?) für die Mehr­heit der Men­schen in Deutsch­land liest, kon­sta­tiert Gu­gen­ber­ger doch ei­nen wach­sen­den Ein­fluss rechts­ex­tre­mer Ideo­lo­gien auf eso­te­ri­sche Krei­se. Über Ru­nen­ma­gie, heid­ni­sche Ri­tua­le und ger­ma­ni­sche Tra­di­tions­pfle­ge will man die Ba­sis für ein neu­es, Vier­tes Reich schaf­fen. Sich bis in die Mit­te der Ge­sell­schaft aus­brei­ten­de Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen ha­ben die­se Ent­wick­lung noch be­feu­ert.

Der Band ent­hält Li­te­ra­tur­hin­wei­se und An­mer­kun­gen und ver­steht sich als Fort­set­zung von „Hit­lers Vi­sio­nä­re. Die ok­kul­ten Weg­be­rei­ter des Drit­ten Reichs“.


Wilfried Daim: Der Mann, der Hitler die Ideen gab.

Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus.

Geschichte

19. Juli 2025

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