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Graham Greenes "Der dritte Mann" ist ein klassischer Noir-Thriller, der ein düsteres Bild des Nachkriegs-Wien zeichnet, einer Stadt, die zwischen den vier Besatzungsmächten aufgeteilt ist. Der Roman handelt von Rollo Martins, einem britischen Autor von Westernromanen, der auf Einladung seines alten Freundes Harry Lime nach Wien kommt. Dort erfährt er jedoch, dass sein Freund einem tödlichen Unfall zum Opfer gefallen ist. Doch es gibt Unstimmigkeiten bei den Zeugenaussagen zum Hergang des Unfalls und Martins gerät in ein Netz aus Intrigen, Korruption und Gefahr als er sich um Aufklärung bemüht. Als Anschuldigungen auftauchen, Limes wäre im Schwarzmarktmilieu aktiv, unternimmt Martins den Versuch seinen Freund zu entlasten. Doch die Beweise mehren sich, dass Limes den Mangel an Penicillin ausnutzt, um mit dem illegalen Handel des Antibiotikums ein Vermögen zu verdienen. Zumal er das Medikament streckt und mit Materialien vermischt, die zu starken Gesundheitsschädigungen führen. Der britische Major Calloway, der übrigens der Erzähler der Geschichte ist, weiht Martins in den Stand der Ermittlungen gegen Limes ein und Rollo drängt auf eine direkte Konfrontation mit Harry, die schließlich zum Showdown in den Gedärmen Wiens führt. Der Roman fängt die Atmosphäre einer Stadt ein, die immer noch unter den Verwüstungen des Krieges leidet. Die Noir-Elemente des Romans, die moralische Ambiguität und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit, Greenes Beschreibungen der bröckelnden Infrastruktur der Stadt, die Armut und der allgegenwärtige Schwarzmarkt erzeugen ein Gefühl grauer Trostlosigkeit. Der Roman, der wesentliche Merkmale einer Novelle trägt, erschien erstaunlicherweise erst ein Jahr nach dem gleichnamigen Film, der bereits 1949 in den Kinos zu sehen war. Und man muss es klar sagen: Der Film ist ein stilistisches Meisterwerk, der Roman ist es nicht. Aber das hat Gründe, die Greene im Vorwort benennt: "'Der dritte Mann' wurde nicht geschrieben, um gelesen, sondern um gesehen zu werden." Der Text stellt quasi eine Vorstufe zum Drehbuch dar, das er ebenfalls verfasste. Dennoch gelingt es dem Text an einigen Stellen, die düstere Atmosphäre des Films erahnen zu lassen. Greenes Fazit lautet jedoch: "Tatsächlich ist der Film besser als die Erzählung, denn er stellt in diesem Fall die endgültige Fassung der Erzählung dar." Dem ist nichts hinzuzufügen. 1. Oktober 2024 |
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