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„Bericht eines Schiffbrüchigen“ erzählt die wahre Geschichte des kolumbianischen Matrosen Luis Alejandro Velasco, der 1955 nach einem Schiffsunglück zehn Tage lang auf einem Rettungsfloß im Karibischen Meer um sein Überleben kämpfte. Der junge Velasco war einer von acht Seeleuten, die während eines Sturms von der „Caldas“, einem Zerstörer der kolumbianischen Marine, ins Meer gespült wurden. Während seine Kameraden ertranken, blieb Velasco allein zurück – ohne Nahrung und Wasser. Die Suche nach den Vermissten wurde nach vier Tagen eingestellt, die Männer für tot erklärt. Die literarische Verarbeitung des Geschehens durch Garcia Marquez beschreibt die physischen Strapazen und Halluzinationen des Schiffbrüchigen, sowie seine inneren Kämpfe, seine Erinnerungen und die unerbittliche Einsamkeit. Velasco kämpft nicht nur gegen die Elemente, den Hunger, den Durst, sondern auch gegen die Verzweiflung. Zunächst aber ist Velasco zuversichtlich, dass er bald gerettet werden wird. Doch als ein Flugzeug ihn mehrfach überfliegt, ohne ihn wahrzunehmen, wächst die Verzweiflung. Haie, die sich jeden Abend um sein Floß versammeln, verstärken seine Ausweglosigkeit. Gelegentlich trinkt er etwas Meerwasser, und einmal kann er mit der Hand einen Fisch fangen, doch die Kräfte schwinden mit jedem Tag mehr, den er schutzlos der Sonne ausgesetzt ist. Das Auftauchen einiger Möwen lässt ihn wieder Hoffnung schöpfen, doch sein Floß ist weitgehend manövrierunfähig und wird nur von den Strömungen des Meeres gelenkt. Nach fast 10 Tagen erscheint Land am Horizont. Er befürchtet, dass es sich um eine Täuschung handeln könnte, schwimmt jedoch in Richtung Küste. Ein Bauer findet ihn am Strand und versorgt ihn notdürftig. Nach vollständiger Genesung in einem Krankenhaus wird er vom Staatspräsidenten empfangen und mit einem Orden ausgezeichnet. Er wird als Held gefeiert: „Das Heldentum besteht in meinem Fall ausschließlich darin, daß ich im Verlauf von zehn Tagen nicht an Hunger und Durst gestorben bin.” S. 158 Garcia Marquez, der damals als Journalist für die Zeitung „El Espectador“ arbeitete, befragte in zwanzig sechsstündigen Sitzungen den Überlebenden und rekonstruierte Velascos Erlebnisse, um sie anschließend in einer 14-teiligen Artikelserie zu publizieren, die später zu diesem Buch zusammengefasst wurde. Als Ursache für das Schiffsunglück benannte Marquez die illegalen Mitbringsel der Besatzung (Waschmaschinen, Heizöfen, Eisschränke u. a.), die zu einer Überladung und Schieflage des Schiffs geführt hatten. Nach der Veröffentlichung der Serie dementierte die kolumbianische Regierung diesen Sachverhalt und zensierte die weitere Berichterstattung bis hin zum Verbot der Zeitung. In der Folge ging Garcia Marquez ins Exil. 3. September 2025 |
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