Kassiber leer
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Gabriel Garcia Marquez Bericht eines Schiffbrüchigen Gabriel Garcia Marquez:
Bericht eines Schiff­brü­chi­gen, der zehn Tage lang, ohne zu es­sen und zu trin­ken, auf ei­nem Floß trieb, der zum Hel­den des Va­ter­lan­des aus­ge­ru­fen, von Schön­heits­kö­ni­gin­nen ge­küsst, durch Wer­bung reich, gleich da­rauf durch die Re­gie­rung ver­wünscht und dann für im­mer ver­ges­sen wur­de.
Aus dem Spa­ni­schen von Chris­tia­ne und Curt Mey­er-Cla­son.
Kiepenheuer & Witsch 1998, 164 Sei­ten, ISBN 978-3-462-02677-1

„Bericht eines Schiff­brü­chi­gen“ er­zählt die wah­re Ge­schich­te des ko­lum­bia­ni­schen Ma­tro­sen Luis Ale­jan­dro Ve­las­co, der 1955 nach ei­nem Schiffs­un­glück zehn Tage lang auf ei­nem Ret­tungs­floß im Ka­ri­bi­schen Meer um sein Über­le­ben kämpf­te. Der jun­ge Ve­las­co war ei­ner von acht See­leu­ten, die wäh­rend ei­nes Sturms von der „Cal­das“, ei­nem Zer­stö­rer der ko­lum­bia­ni­schen Ma­ri­ne, ins Meer ge­spült wur­den. Wäh­rend sei­ne Ka­me­ra­den er­tran­ken, blieb Ve­las­co al­lein zu­rück – ohne Nah­rung und Was­ser. Die Su­che nach den Ver­miss­ten wur­de nach vier Ta­gen ein­ge­stellt, die Män­ner für tot er­klärt.

Die literarische Ver­ar­bei­tung des Ge­sche­hens durch Gar­cia Mar­quez be­schreibt die phy­si­schen Stra­pa­zen und Hal­lu­zi­na­tio­nen des Schiff­brü­chi­gen, so­wie sei­ne in­ne­ren Kämp­fe, sei­ne Er­in­ne­run­gen und die un­er­bitt­li­che Ein­sam­keit. Ve­las­co kämpft nicht nur ge­gen die Ele­men­te, den Hun­ger, den Durst, son­dern auch ge­gen die Ver­zweif­lung.

Zunächst aber ist Ve­las­co zu­ver­sicht­lich, dass er bald ge­ret­tet wer­den wird. Doch als ein Flug­zeug ihn mehr­fach über­fliegt, ohne ihn wahr­zu­neh­men, wächst die Ver­zweif­lung. Haie, die sich je­den Abend um sein Floß ver­sam­meln, ver­stär­ken sei­ne Aus­weg­lo­sig­keit. Ge­le­gent­lich trinkt er et­was Meer­was­ser, und ein­mal kann er mit der Hand ei­nen Fisch fan­gen, doch die Kräf­te schwin­den mit je­dem Tag mehr, den er schutz­los der Son­ne aus­ge­setzt ist. Das Auf­tau­chen ei­ni­ger Mö­wen lässt ihn wie­der Hoff­nung schöp­fen, doch sein Floß ist weit­ge­hend ma­növ­rier­un­fä­hig und wird nur von den Strö­mun­gen des Mee­res ge­lenkt.

Nach fast 10 Ta­gen er­scheint Land am Ho­ri­zont. Er be­fürch­tet, dass es sich um eine Täu­schung han­deln könn­te, schwimmt je­doch in Rich­tung Küs­te. Ein Bau­er fin­det ihn am Strand und ver­sorgt ihn not­dürf­tig. Nach voll­stän­di­ger Ge­ne­sung in ei­nem Kran­ken­haus wird er vom Staats­prä­si­den­ten emp­fan­gen und mit ei­nem Or­den aus­ge­zeich­net. Er wird als Held ge­fei­ert: „Das Hel­den­tum be­steht in mei­nem Fall aus­schließ­lich da­rin, daß ich im Ver­lauf von zehn Ta­gen nicht an Hun­ger und Durst ge­stor­ben bin.” S. 158

Garcia Marquez, der da­mals als Jour­na­list für die Zei­tung „El Es­pec­ta­dor“ ar­bei­te­te, be­frag­te in zwan­zig sechs­stün­di­gen Sit­zun­gen den Über­le­ben­den und re­kon­stru­ier­te Ve­las­cos Er­leb­nis­se, um sie an­schlie­ßend in ei­ner 14-tei­li­gen Ar­ti­kel­se­rie zu pu­bli­zie­ren, die spä­ter zu die­sem Buch zu­sam­men­ge­fasst wur­de. Als Ur­sa­che für das Schiffs­un­glück be­nann­te Mar­quez die il­le­ga­len Mit­bring­sel der Be­sat­zung (Wasch­ma­schi­nen, Heiz­öfen, Eis­schrän­ke u. a.), die zu ei­ner Über­la­dung und Schief­la­ge des Schiffs geführt hat­ten. Nach der Ver­öf­fent­li­chung der Se­rie de­men­tier­te die ko­lum­bia­ni­sche Re­gie­rung die­sen Sach­ver­halt und zen­sier­te die wei­te­re Be­richt­er­stat­tung bis hin zum Ver­bot der Zei­tung. In der Fol­ge ging Gar­cia Mar­quez ins Exil.

3. September 2025

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