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Noah Charney Original Meisterfälscher Noah Charney
Original Meis­ter­fäl­scher.
Ego, Geld & Grö­ßen­wahn.
Christian Brandstätter Ver­lag 2015, 294 Sei­ten, ISBN 978-3-85033-921-6

Immer wieder gerät der Kunst­han­del in die Schlag­zei­len. Zwei Grün­de sind dafür vor al­lem ver­ant­wort­lich: neue Re­kor­de bei auf Auk­tio­nen er­ziel­ten Prei­sen und das Auf­de­cken von Fäl­schun­gen. Je pro­mi­nen­ter der Künst­ler, mit dem der Re­kord erzielt wurde oder des­sen Werk sich plötz­lich als Fäl­schung er­weist, um­so grö­ßer und nach­hal­ti­ger die Be­richt­er­stat­tung. Dass aber Kunst­han­del und Fäl­schun­gen eng mit­ei­nan­der ver­zahnt sind, be­legt Noah Char­ney in sei­nem um­fang­rei­chen und gut re­cher­chier­ten Buch "Original Meis­ter­fäl­scher".

Die Frage der Ori­gi­na­li­tät ei­nes Kunst­werks steht am An­fang der Aus­ei­nan­der­set­zung mit dem The­ma. Sal­va­to­re Dali hat lee­re Lein­wän­de ver­kauft, die mit sei­nem Namen sig­niert wa­ren, aber von an­de­ren bemalt wur­den. Die gro­ßen Ma­ler­werk­stät­ten – et­wa eines Leo­nar­do da Vinci oder Rem­brandt – pro­du­zier­ten Kust­wer­ke, an de­nen der An­teil des na­men­ge­ben­den Künst­lers ge­ring oder nur in den An­wei­sun­gen zur Aus­füh­rung ge­le­gen hat. Wann ist ein Kunst­werk ein Ori­gi­nal und wer oder was bestimmt den Wert?

Der Kunsthandel und sei­ne Ex­po­nen­ten be­fan­den lan­ge Zeit über die Ori­gi­na­li­tät und den Wert eines Werks, in­zwi­schen sind so­ge­nann­te Ex­per­ten hin­zu ge­kom­men, die meist als Kunst­his­to­ri­ker ihre Kennt­nis­se für Ex­per­ti­sen zur Ver­fü­gung stel­len. Ei­gen­in­te­res­se lie­gen auf der Hand und die Ge­schich­te des Kunst­han­dels ist auch ei­ne der fal­schen und ge­fälsch­ten Ex­per­ti­sen.

Charney widmet sich in meh­re­ren Kapiteln den un­ter­schied­li­chen Mo­ti­ven, die Künst­ler da­zu ge­bracht ha­ben, sich als Fäl­scher zu be­tä­ti­gen. Ne­ben dem Ge­winn­stre­ben (aber selbst da gibt es Aus­nah­men) ist es häu­fig die Ver­ken­nung bzw. Nicht­an­er­ken­nung, die die Künst­ler mit ih­ren ei­ge­nen Wer­ken im Kunst­be­trieb er­fah­ren ha­ben. Das Be­dürf­nis, den "Ex­per­ten" ein Schnipp­chen zu schla­gen und zu be­wei­sen, dass ihre Fä­hig­kei­ten zur Be­wer­tung eines Kunst­werks li­mi­tiert oder gar nicht vor­han­den sind, ist für ei­ne gro­ße An­zahl ent­stan­de­ner Fäl­schun­gen das Motiv ge­we­sen.

Charney stellt die Bio­gra­fien ei­ni­ger Fäl­scher aus den letz­ten Jahr­hun­der­ten vor und wie sie ent­deckt wur­den. Es ist ein stän­di­ger Wett­lauf zwi­schen neu­en Mög­lich­kei­ten zur Auf­de­ckung von Fäl­schun­gen und der Reak­tion der Fälscher da­rauf, diese Mög­lich­kei­ten zu er­schwe­ren.

Neben Kunst­fäl­schun­gen, die den größten Teil des Bu­ches aus­ma­chen, stellt Charney auch klas­si­sche Fäl­schun­gen von his­to­ri­schen Do­ku­men­ten vor, z.B. die "Kon­stan­ti­ni­sche Schen­kung" oder die "Ta­ge­bü­cher" Adolf Hit­lers. Oder li­te­ra­ri­sche Fäl­schun­gen eines Tho­mas Chat­ter­ton so­wie über­ra­schend auf­ge­tauch­te Tex­te Shake­speares. In den letz­ten Ka­pi­teln be­han­delt der Au­tor Fäl­schun­gen im re­li­giö­sen (Re­li­quien) und wis­sen­schaft­li­chen Be­reich (Pilt­down-Mensch usw.). Aus­führ­li­che Fuß­no­ten und eine um­fang­rei­che Li­te­ra­tur­lis­te be­schlie­ßen den Band.

Ich habe das Buch mit Span­nung und Fas­zi­na­tion ge­le­sen und kann es nur emp­feh­len.


Kunst

8. Oktober 2024

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