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Immer wieder gerät der Kunsthandel in die Schlagzeilen. Zwei Gründe sind dafür vor allem verantwortlich: neue Rekorde bei auf Auktionen erzielten Preisen und das Aufdecken von Fälschungen. Je prominenter der Künstler, mit dem der Rekord erzielt wurde oder dessen Werk sich plötzlich als Fälschung erweist, umso größer und nachhaltiger die Berichterstattung. Dass aber Kunsthandel und Fälschungen eng miteinander verzahnt sind, belegt Noah Charney in seinem umfangreichen und gut recherchierten Buch "Original Meisterfälscher". Die Frage der Originalität eines Kunstwerks steht am Anfang der Auseinandersetzung mit dem Thema. Salvatore Dali hat leere Leinwände verkauft, die mit seinem Namen signiert waren, aber von anderen bemalt wurden. Die großen Malerwerkstätten – etwa eines Leonardo da Vinci oder Rembrandt – produzierten Kustwerke, an denen der Anteil des namengebenden Künstlers gering oder nur in den Anweisungen zur Ausführung gelegen hat. Wann ist ein Kunstwerk ein Original und wer oder was bestimmt den Wert? Der Kunsthandel und seine Exponenten befanden lange Zeit über die Originalität und den Wert eines Werks, inzwischen sind sogenannte Experten hinzu gekommen, die meist als Kunsthistoriker ihre Kenntnisse für Expertisen zur Verfügung stellen. Eigeninteresse liegen auf der Hand und die Geschichte des Kunsthandels ist auch eine der falschen und gefälschten Expertisen. Charney widmet sich in mehreren Kapiteln den unterschiedlichen Motiven, die Künstler dazu gebracht haben, sich als Fälscher zu betätigen. Neben dem Gewinnstreben (aber selbst da gibt es Ausnahmen) ist es häufig die Verkennung bzw. Nichtanerkennung, die die Künstler mit ihren eigenen Werken im Kunstbetrieb erfahren haben. Das Bedürfnis, den "Experten" ein Schnippchen zu schlagen und zu beweisen, dass ihre Fähigkeiten zur Bewertung eines Kunstwerks limitiert oder gar nicht vorhanden sind, ist für eine große Anzahl entstandener Fälschungen das Motiv gewesen. Charney stellt die Biografien einiger Fälscher aus den letzten Jahrhunderten vor und wie sie entdeckt wurden. Es ist ein ständiger Wettlauf zwischen neuen Möglichkeiten zur Aufdeckung von Fälschungen und der Reaktion der Fälscher darauf, diese Möglichkeiten zu erschweren. Neben Kunstfälschungen, die den größten Teil des Buches ausmachen, stellt Charney auch klassische Fälschungen von historischen Dokumenten vor, z.B. die "Konstantinische Schenkung" oder die "Tagebücher" Adolf Hitlers. Oder literarische Fälschungen eines Thomas Chatterton sowie überraschend aufgetauchte Texte Shakespeares. In den letzten Kapiteln behandelt der Autor Fälschungen im religiösen (Reliquien) und wissenschaftlichen Bereich (Piltdown-Mensch usw.). Ausführliche Fußnoten und eine umfangreiche Literaturliste beschließen den Band. Ich habe das Buch mit Spannung und Faszination gelesen und kann es nur empfehlen. → Kunst 8. Oktober 2024 |
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