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Der 1976 in Paris verstorbene Emmanuel Berl ist in Deutschland weitgehend unbekannt, der vorliegende Band aus der Reihe DIE ANDERE BIBLIOTHEK (Bd. 83) enthält zwei seiner Bücher, die hier erstmals in deutscher Sprache erscheinen. "Rachel und andere Gnaden" (1965 im Original erschienen) sowie "Sylvia" (1952 publiziert) sind autobiografische Reflexionen des Autors und orientieren sich an den Frauen, die er geliebt hat. Jede dieser Frauen leiht einem Kapitel ihren Namen und spiegelt verschiedene Facetten des Autors, der von sich selbst schreibt: "Mein Leben ist gar nicht wie mein Leben. Es hat ihm nie geglichen." (S.145) Der Autor beschreibt Stationen seines Lebens anhand der Begegnungen mit Sylvia, die sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken. Seine Mutterbindung spielt dabei eine Rolle, sein ambivalentes Verhältnis zur Nähe zu Sylvia und ihrer Welt, die er wünscht und vor der er doch zurückschreckt sobald sie realisierbar wäre. Er verliert sie aus den Augen, hört ihren Namen in Gesprächen, begegnet ihr erneut und es ist, als wären sie nur kurz getrennt gewesen. Aber sie leben jeweils ihre eigenen Leben, die nichts miteinander zu tun haben, sie trennen Welten und die Geschichte. Der erste Teilband des Buches erschließt fragmentarisch die Biografie des Autors über acht Frauen, die auf unterschiedliche Weise Teil seines Lebens waren und die er, auf ebenso unterschiedliche Weise, geliebt hat. "Meine Vergangenheit ist ein riesiger Haufen verblichener Lieben, zerbrochener Freundschaften, enttäuschter Hoffnungen, überstandener Schicksalsschläge, von denen, stelle ich manchmal fest, nichts geblieben ist, nicht einmal in meiner Erinnerung." S. 24 Männer tauchen nur episodisch auf – obwohl Berl viele Kontakte zur kulturellen Prominenz seiner Zeit hatte –, nur zwei verdienen größere Beachtung: Marcel Proust, mit dem er einige Zeit befreundet war und den er oft sah, und Francois Fénelon, ein geistlicher Frühaufklärer, der ihm spiritueller und intellektueller Kompass war. Berls Fazit seines Lebens: "... ich bin ein Mensch der vergeblichen Gewißheiten. Kein Mensch geringen Glaubens, kein Mensch der Zweifel, ich zweifle wenig, ich bin mir eher der Dinge gewiß und dulde keinen Widerspruch. Emmanuel Berl (1892 – 1976) arbeitete als Journalist, Essayist und Lektor, gründete mehrere Zeitschriften und war befreundet mit Breton, Cocteau, Colette, Aragon, Malraux und anderen. Literarisch sehr produktiv galt er als wenig ehrgeizig, weshalb – so die Meinung einiger Literaturhistoriker – seine literarischen Erfolge überschaubar blieben. Ich empfand die Lektüre dieses Buches als einen Gewinn. ---------------------------- 4. Dezember 2023 |
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